Die folgenden Methoden gehören zum Standardrepertoire im Innovation Management. Jede Technik eignet sich für bestimmte Phasen und Problemtypen.
Die bekannteste Kreativitätstechnik: In einer Gruppe werden ohne Kritik möglichst viele Ideen zu einer klar formulierten Fragestellung gesammelt. Quantität geht vor Qualität, Bewertung erfolgt erst später.
Ablauf
- Fragestellung klar und offen formulieren
- Regeln festlegen: keine Kritik, freies Assoziieren, Ideen aufgreifen
- Ideen sammeln und sichtbar festhalten
- Erst danach clustern und bewerten
Einsatzgebiet: Frühe Ideenphase, breite Ideensammlung im Team.
Eine schriftliche Variante des Brainstormings: Sechs Teilnehmer notieren je drei Ideen und reichen das Blatt nach jeder Runde weiter, um die Ideen der anderen weiterzuentwickeln. In fünf Runden entstehen so bis zu 108 Ideen — auch in stillen oder hierarchisch geprägten Gruppen.
Ablauf
- Sechs Teilnehmer erhalten je ein Formular
- Jeder notiert drei Ideen zur Fragestellung
- Nach wenigen Minuten Blatt im Uhrzeigersinn weitergeben
- Auf den bestehenden Ideen aufbauen — fünf Runden
Einsatzgebiet: Gleichberechtigte Ideenfindung, gemischte oder zurückhaltende Teams.
Ein iterativer, nutzerzentrierter Ansatz zur Entwicklung von Produkten und Services. Über die Phasen Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototyp und Test werden Lösungen eng am realen Nutzerbedürfnis entwickelt und früh getestet.
Ablauf
- Verstehen & Beobachten: Nutzerbedürfnisse erforschen
- Sichtweise definieren: Problem auf den Punkt bringen
- Ideen entwickeln (Ideate)
- Prototyp bauen und mit Nutzern testen — iterieren
Einsatzgebiet: Nutzerzentrierte Produkt- und Service-Innovation.
SCAMPER ist eine Fragetechnik, die bestehende Produkte oder Prozesse systematisch verändert. Das Akronym steht für Substitute, Combine, Adapt, Modify, Put to other use, Eliminate, Reverse — sieben Impulse, um neue Varianten zu erzeugen.
Ablauf
- Ausgangsobjekt oder -prozess festlegen
- Jede SCAMPER-Frage durchgehen (Ersetzen, Kombinieren …)
- Antworten als Ideen notieren
- Vielversprechende Varianten weiterverfolgen
Einsatzgebiet: Weiterentwicklung bestehender Produkte, Prozesse und Services.
TRIZ (Theorie des erfinderischen Problemlösens) ist eine systematische Methodik, die aus der Analyse tausender Patente entstand. Sie löst technische Widersprüche mithilfe von 40 innovativen Prinzipien und einer Widerspruchsmatrix, statt auf Versuch und Irrtum zu setzen.
Ablauf
- Problem als technischen Widerspruch formulieren
- Verbesserungs- und Verschlechterungsparameter bestimmen
- Passende innovative Prinzipien aus der Matrix ableiten
- Prinzipien auf das konkrete Problem übertragen
Einsatzgebiet: Komplexe technische und ingenieurwissenschaftliche Probleme.
Die sechs Denkhüte von Edward de Bono ordnen einer Diskussion sechs Perspektiven zu — Fakten (weiß), Gefühle (rot), Risiken (schwarz), Nutzen (gelb), Kreativität (grün), Steuerung (blau). Das Team betrachtet ein Thema nacheinander aus jeder Sicht und vermeidet so einseitige Bewertungen.
Ablauf
- Hüte und ihre Bedeutung erklären
- Thema reihum aus jeder Perspektive betrachten
- Alle tragen denselben Hut gleichzeitig (Parallel-Denken)
- Mit dem blauen Hut Ergebnisse zusammenführen
Einsatzgebiet: Ideen ganzheitlich bewerten, festgefahrene Diskussionen lösen.
Beim Mind Mapping werden Gedanken ausgehend von einem zentralen Begriff in verzweigten Ästen visuell organisiert. Die Methode fördert Assoziationen, schafft Überblick und eignet sich sowohl zum Sammeln als auch zum Ordnen von Ideen.
Ablauf
- Zentrales Thema in die Mitte schreiben
- Hauptäste für Kernaspekte anlegen
- Unteräste mit Schlüsselwörtern verzweigen
- Farben und Symbole zur Strukturierung nutzen
Einsatzgebiet: Brainstorming, Strukturierung, Notizen und Konzeptarbeit.
Der morphologische Kasten zerlegt ein Problem in Parameter und listet je Parameter mögliche Ausprägungen in einer Matrix. Durch Kombination einzelner Ausprägungen entstehen systematisch zahlreiche, auch ungewöhnliche Gesamtlösungen.
Ablauf
- Problem in unabhängige Parameter zerlegen
- Je Parameter mögliche Ausprägungen sammeln
- Matrix aufstellen
- Ausprägungen zu vollständigen Lösungen kombinieren
Einsatzgebiet: Produktkonzeption mit vielen kombinierbaren Merkmalen.
Bionik überträgt bewährte Prinzipien aus der Natur auf technische Fragestellungen. Evolutionär optimierte Lösungen — vom Lotus-Effekt bis zum Klettverschluss — dienen als Vorbild für innovative Produkte und Prozesse.
Ablauf
- Technisches Problem abstrahieren
- Analoge Lösungen in der Natur suchen
- Funktionsprinzip extrahieren
- Prinzip technisch umsetzen
Einsatzgebiet: Technische Innovation mit Vorbildern aus der Natur.
Die Walt-Disney-Methode betrachtet eine Idee nacheinander aus drei Rollen: der Träumer entwirft die Vision, der Realist plant die Umsetzung, der Kritiker prüft Risiken. Der Rollenwechsel macht Ideen konkreter und robuster.
Ablauf
- Idee oder Vorhaben festlegen
- Als Träumer: Vision ohne Grenzen entwerfen
- Als Realist: konkreten Umsetzungsplan ableiten
- Als Kritiker: Schwachstellen und Risiken prüfen
Einsatzgebiet: Ideen von der Vision zur umsetzbaren Lösung schärfen.
Die Delphi-Methode bündelt Experteneinschätzungen in mehreren anonymen Befragungsrunden. Nach jeder Runde erhalten die Experten die aggregierten Ergebnisse und können ihre Einschätzung anpassen — so entsteht ein fundierter Konsens, frei von Gruppendruck.
Ablauf
- Expertengruppe und Fragestellung definieren
- Erste anonyme Befragungsrunde durchführen
- Ergebnisse aggregiert zurückspiegeln
- Runden wiederholen, bis sich ein Konsens bildet
Einsatzgebiet: Prognosen, Technologiebewertung und strategische Vorausschau.
Die Osborn-Checkliste — Vorläufer von SCAMPER — regt mit gezielten Fragen (Anders verwenden? Anpassen? Vergrößern? Verkleinern? Ersetzen? Umkehren? Kombinieren?) systematisch neue Ideen zu einem bestehenden Objekt an.
Ablauf
- Ausgangsobjekt festlegen
- Checklisten-Fragen nacheinander stellen
- Antworten als Ideen festhalten
- Ideen auswählen und konkretisieren
Einsatzgebiet: Schnelle Ideenvariation für bestehende Produkte.
Laterales (seitwärts gerichtetes) Denken nach Edward de Bono durchbricht gezielt eingefahrene Denkmuster, etwa durch Provokationen, Zufallsreize oder bewusste Annahmenumkehr. So entstehen unerwartete Lösungsansätze jenseits der naheliegenden Logik.
Ablauf
- Übliche Annahmen zum Problem benennen
- Provokation oder Zufallsreiz einbringen
- Ungewöhnliche Verknüpfungen zulassen
- Tragfähige Ansätze in Lösungen überführen
Einsatzgebiet: Festgefahrene Probleme, Bedarf an unkonventionellen Ideen.